Lasst Schulen und KiTas zu

Das Debakel der Öffnungen um die Schulen und KiTas in Baden-Württemberg hat zwei konkrete Namen – zuvorderst. Winfried Kretschmann, der seiner Widersacherin Susanne Eisenmann auch nicht mit Richtlinienkompetenz entgegen treten möchte – und Susanne Eisenmann, Bildungsministerin, die seit den Schulschließungen im vergangenen März einen Kurs fährt: die Wette, dass man Schulen baldmöglichst wieder zu 100% öffnen könne.

Dies begründeten sie bis in den Januar 2020 hinein mit einer Studie der Uni Heidelberg. Diese Studie wurde, kaum dass sie erschienen war, kritisiert. Jetzt gibt es eine Auswertung dieser Studie, die die Kritik daran rundum belegt:

„Finally, while the data suggest that children are less likely to get
infected, the study design does not allow drawing conclusions on the
infectivity of a child infected with SARS-CoV-2.“

Heißt: die Studie hat keine Aussagekraft.

Seitdem gab es zahlreiche Studien, von denen die überwiegende Zahl keinen Beleg dafür erbrachte, dass Kinder sich weniger anstecken oder infektiös seien als Erwachsene. Nicht zuletzt Christian Drosten kam laut einem Spiegelartikel vom 1. Oktober 2020 zu folgendem Ergebnis:

So hatte ein Forscherteam um Christian Drosten gezeigt, dass infizierte Kinder ähnlich viele Viren im Rachen tragen wie Erwachsene. Das könnte darauf hindeuten, dass sie ähnlich ansteckend sind. Untersuchungen von Infektionsketten in Haushalten zeigten allerdings nur in Einzelfällen, dass Kinder und Jugendliche andere ähnlich häufig oder sogar häufiger anstecken als Erwachsene. Zudem sind inzwischen einzelne Corona-Ausbrüche an Schulen bekannt.

Es wird das Risiko eingegangen, dass sich Kinder und Erzieher:innen mit dem Virus infizieren und erkranken – was ja nicht nur zum Tod, sondern auch zu bekannten Langzeitfolgen führen kann.

Diese Wissenschaftsfeindlichkeit ist allerdings nicht alleine ein Problem an der Spitze des Kultusministeriums oder der Landesregierung. Weder Wissenschaftsministerin Bauer (Grüne) noch Gesundheitsminister Lucha (Grüne) sehen sich hier offenbar gezwungen, auch nicht unter dem “Schutz” der Ressortfreiheit, einzugreifen und vor den Folgen einer solchen Politik zu warnen, die diametral zu Erkenntnissen steht, die die Wissenschaft hat und die die Gesundheit betreffen. Diese Politik, die alleine dem Koalitionsfrieden dient – und das nur 6 Wochen vor der Landtagswahl. Offensichtlich haben die Grünen Angst, dass es zu einem Koalitionsbruch kommen könnte. Vielleicht, weil es ihre Chancen mindern könnte, an der nächsten Regierung beteiligt zu sein. Denn wenn eine Grüne Ampel möglich ist – dann auch eine schwarze Ampel. Soweit sind die Werte von CDU und Grünen nicht auseinander, dass das nicht möglich wäre.

Umso deutlicher wird, dass es eine starke politische Kraft im Landtag braucht, die ihre Politik nicht nach kurzfristigen Zielen ausrichtet und die Wissenschaft in dieser für uns alle bedrohlichen Lage zur Basis ihrer Entscheidungen macht.

Übrigens: das hat auch Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit bei anderen politischen Entscheidungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen sollten. Zum Beispiel: die Klimapolitik.